Anzuchterde / Aussaaterde selber machen & herstellen (bio und torffrei) – Anleitung und Tipps

Die neue Gartensaison steht in den Startlöchern, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Garten wird endlich aus dem Winterschlaf geholt, bald kann die Aussaat für das geliebte Gemüse und die schönen Blumen beginnen. Die Anbauplanung habt ihr in den letzten Monaten schon fertiggestellt, die Samen wurden fleißig aus dem eigenen Garten gesammelt oder gekauft. Bis ihr mit der Saatgut-Anzucht anfangen könnt, lohnt es sich, die Anzuchterde ökologisch und umweltfreundlich selbst herzustellen. Wie genau ich bei der Herstellung vorgegangen bin, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

anzuchterde - kompost, sand, erde
anzuchterde – kompost, sand, erde

Wieso sollte man Anzuchterde selbst herstellen?

Wenn ihr eure Erde zur Aussaat selbst herstellt, habt ihr einfach die beste Anzuchterde, die ihr für eure Pflanzen bekommen könnt. Nur wenn man sie selbst macht, weiß man zu 100 %, was sich in dieser Erde befindet. Bei im Handel gekaufter Erde kann man das leider nicht genau wissen, möglicherweise entscheidet man sich für ein ungeeignetes Substrat. Selber hergestellte Anzuchterde ist nachhaltiger und besteht aus wenigen einfachen Bestandteilen. Außerdem ist sie eine günstigere Alternative und sehr einfach in der Herstellung. Welche Gemüsesorten ihr bereits frühzeitig aussäen könnt, erfahrt ihr im Beitrag „Lasst die Aussaat beginnen!“.

Torffreie Anzuchterde – der Umwelt zuliebe

Gut informierte Biogärtner wissen es schon: Pflanzenerde wurde lange Zeit aus Torf hergestellt, der aus Mooren stammt. Torf hat unbestreitbar viele praktische Eigenschaften: Er ist ein guter Wasserspeicher und enthält wenige Nährstoffe und Salze. Aber die Trockenlegung von Mooren setzt riesige Mengen von CO2 frei und ist ein Klimakiller ersten Ranges, ganz abgesehen von der Zerstörung von Lebensräumen für viele Tier- und Pflanzenarten. Im Großteil Mitteleuropas sind Hochmoore bereits komplett verschwunden, dabei haben sie für den Klimaschutz eine größere Bedeutung als Wälder. Daher sollte Anzuchterde mit Torf im Biogarten tabu sein. Noch immer ist der Verkauf von torffreier Anzuchterde nicht selbstverständlich, lange Zeit gab es diese Variante gar nicht in Gärtnereien zu kaufen. Deshalb ist die eigene Herstellung für mich ganz selbstverständlich geworden. Falls ihr trotzdem gern fertige Anzuchterde kaufen wollt, achtet unbedingt auf das RAL-Gütesiegel und den Zusatz „torffrei“. Denn auch Bio-Anzuchterde ist nicht automatisch torffreie Erde.

Wozu braucht man Anzuchterde?

Anzuchterde bietet den Samen die besten Voraussetzungen, um zu gesunden und starken Pflanze heranzuwachsen. Ein Samen benötigt im engeren Sinne nur Wärme und Wasser zum Keimen. Damit die Jungpflanze ein stark verzweigtes Wurzelnetz bildet, sollte die Erde möglichst nährstoffarm sein. Die Pflanze versucht dann, an die wenigen Nährstoffe zu gelangen, und bildet lange, verzweigte Wurzelstämme. Mit vielen kräftigen Wurzeln kann sie Nährstoffe und Wasser besser aufnehmen, was ihrer Entwicklung guttut. In herkömmlicher Pflanzenerde ist bereits Dünger enthalten, dessen Gehalt ist jedoch zu hoch für die jungen Pflanzen. Sie wachsen zwar schnell, bilden aber nur kurze Wurzeln und verkümmerte Blätter aus. Daher ist die beste Anzuchterde leicht feucht, luftig und locker, aber nährstoffarm. Sie sollte außerdem keimfrei sein und Wasser gut speichern können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Mischung hausgemachter Anzuchterde

Der Herstellung eigener Anzuchterde ist sehr einfach, ihr braucht dafür nicht viele Zutaten. Alle Komponenten sollten im selben Verhältnis vermischt werden. Häufig finden sich die Zutaten für mein „Rezept“ schon im heimischen Garten, weswegen ich die schlichte Variante am besten finde. Optional kann man für eine bessere Belüftung Perlite-Granulat untermischen, worauf ich jedoch verzichtet habe.

Für die eigene Anzuchterde werden drei Zutaten zu gleichen Teilen miteinander vermischt:

zutaten zum selbermachen von anzuchterde: kompost, erde, sand
Zutaten zum Selbermachen von anzuchterde: Kompost, Erde, Sand

Vermischen der Zutaten

Zunächst müssen alle Bestandteile gesiebt werden, um die Erde aufzulockern. Dabei ist es wichtig, dass ihr grobe Einzelteile wie kleine Steine oder Holzstücke entfernt. Sand hat einen niedrigen pH-Wert und sorgt dafür, dass das Gemisch locker ist. Die Erde sollte nicht aus der oberen Bodenschichten stammen. Wenn ihr welche findet, könnt ihr die Erde eines aufgeworfenen Maulwurfshügels nehmen. Sobald alle Zutaten vermengt wurden und sichtbare Keimlinge und Unkrautreste entfernt sind, ist der nächste Schritt das Sterilisieren der Erde.

vermischen von kompost, sand und erde
vermischen von kompost, sand & erde

Sterilisieren der Anzuchterde

Die Samen brauchen zum Auskeimen ihre ganze Kraft, dabei sind sie sehr empfindlich gegenüber schädlichen Außenwirkungen. Deshalb sollte man die Kompost- oder Gartenerde sterilisieren, um Bakterien, Pilzsporen und andere Keime zu beseitigen. Dieser Vorgang funktioniert ganz leicht durch Erhitzen. Ich habe meine Anzuchterde in einem hitzebeständigen Behälter für 45 Minuten bei 120° Celsius in den Backofen geschoben. Eine andere Möglichkeit wäre die Mikrowelle, aber diese Variante funktioniert nur für kleine Mengen. Bei dieser schnellen Erhitzung genügen schon fünf bis zehn Minuten, um schädliche Keime zu zerstören. Falls euch dieser Vorgang zu aufwendig ist oder ihr euch den etwas unangenehmen Geruch ersparen wollt, könnt ihr die frischen Keimlinge auch nur aus der Erde zupfen. Allerdings werden dabei wahrscheinlich nicht alle Schädlinge vollständig entfernt.

Anzucht mit nachhaltigen Erdtöpfen

Im Anschluss wird die Anzuchterde in die Anzuchttöpfe gefüllt. Hierzu könnt ihr kompostierbare Anzuchttöpfe aus Holzfasern verwenden. Wer es vollständig nachhaltig will, der presst seine eigenen Erdtöpfe aus der gemischten Erde. Ihr braucht dazu nur eine Erdtopfpresse. Die ist jahrelang wiederverwendbar, einfach in der Handhabung und macht das Pikieren überflüssig. Um einen Erdtopf herzustellen, gebt ihr Wasser auf die angemischte Erde und rührt eine matschige, klebrige Masse an. Danach wird sie in die Presse gefüllt, die ihr in den Behälter des Frühbeets setzt. Anschließend drückt ihr den Erdtopf in der Presse etwas zusammen. Durch das Drücken und gleichzeitiges Anheben der Topfpresse kommt der Erdballen hervor. Ein Pflanzloch ist dabei bereits mit eingepresst. Anzuchttöpfe und Erdtöpfe aus Anzuchterde können für Stecklinge und Sämlinge verwendet werden.

Pikieren der Saat

Das Pikieren der Saat ist auf jeden Fall nötig, wenn ihr keinen Erdtopf benutzt. Pikieren bedeutet „stecken“. Durch sorgsames Platzieren der jungen Pflanzen mit genug Abstand soll sichergestellt werden, dass sie angemessen weiterwachsen können. Ein ausreichender Abstand zu den Nachbarpflanzen verhindert Konkurrenzkämpfe um Licht, Nährstoffe aus dem Boden und Wasser. Wenn jeder Samen genug Platz hat, kann die Pflanze langsam wachsen und kräftig werden. Ein Pikierstab stellt sicher, dass der Samen genau mittig im Erdballen sitzt. Die breite Seite des Stabs wird dabei in die Erde gedrückt, sodass eine Kuhle entsteht.

Weitere hilfreiche Tipps und Tricks zum Herstellen von Bio-Aussaaterde

Eine nährstoffarme Anzuchterde braucht fast jede Pflanze, um gesund wachsen zu können. Es gibt zum Glück mehrere Substrate, die Torf gut ersetzen können. Hierzu zählen neben dem Kompost auch Kokosfasern, Rindenhumus, Xylit oder Holzfasern. Anzuchterde enthält auf keinen Fall Dünger und sollte möglichst nährstoffarm sein. Sucht ihr speziell nach Anzuchterde für den Rasen, wählt ihr am besten eine sandige, lehmhaltige Erde.

Beachtet die verschiedenen Aussaatzeiten, da jede Gemüsesorte andere Vorlieben hat. Tomaten können schon Mitte Februar in die Anzuchtschale kommen, bei Kohlrabi oder Rosenkohl reicht das Ende des Monats. Bei manchen Sorten lohnt sich das Vorkeimen, um starke Pflanzen und eine reiche Ernte zu erhalten. Besonders sinnvoll ist etwa das Vorkeimen bei Kartoffeln. Je nach Wetterlage könnt ihr euch eine Naturheizung für euer Frühbeet basteln, um die Pflänzchen vor niedrigen Temperaturen zu schützen.

Ersatzsubtrate für Torf
Ersatzsubtrate für Torf: Kokosfasern, Holzfasern, Rindenhumus, Xylit

Anzuchterde ohne Kompost selber machen

In einem kleinen Garten ist oft kaum Platz für eine Kompoststelle. Da liegt es nahe, auf Kompost zu verzichten. Ich rate euch jedoch ab, Aussaaterde ohne Kompost anzumischen. Kompost enthält einfach unglaublich viele wichtige Mikroorganismen und sorgt für eine gelockerte und gut belüftete Bodenstruktur. Vielleicht hat ein netter Gartennachbar etwas von seiner Komposterde für euch übrig? Ansonsten solltet ihr lieber eine ökologische Anzuchterde ohne Torf kaufen. Wenn ihr ein Plätzchen für einen Komposthaufen im Garten freimachen könnt, überlegt es euch. Nicht nur die Herstellung eigener Anzuchterde ist dann möglich; auch für Starkzehrer, die sehr viele Nährstoffe benötigen, eignet sich diese Erde besonders gut.

Kokos-Quelltabletten zur Anzucht

Falls ihr lieber eine fertige Anzuchterde kaufen möchtet, empfehle ich euch Kokos-Quelltabletten aus Kokosfaser. Diese Alternative zum Selbstmischen ist sehr umweltfreundlich, da die Kokosfasern aus den Schalen der Kokosnuss hergestellt werden und somit zu 100 % aus einem nachwachsenden Rohstoff bestehen. Die Tabletten sind gebrauchsfertig und passend für einen Anzuchttopf 7×7 im Beetliebe-Shop erhältlich. Neben den Tabletten gibt es auch Kokos-Quellziegel. Kokoserde als Anzuchterde ist sehr schimmelresistent und sorgt für eine gute Belüftung, sie kann Wasser gut aufnehmen und an die Pflanzen weitergeben. Schaut euch gern die verschiedenen Anzucht-Sets aus Kokoserde im Shop genauer an.

Passende Anzuchterde für eure Pflanzen herstellen

Für die Herstellung eurer eigenen Bio-Aussaaterde solltet ihr euch mit den Bedürfnissen eurer Pflanzen beschäftigen. Nicht nur der Aussaatzeitraum kann unterschiedlich sein. Nach der Anzucht verändern sich die Ansprüche der meisten Pflanzen, vor allem der Bedarf an Wasser, Licht und Nährstoffen. Einen kleinen Überblick der über einige beliebte Gartenpflanzen habe ich euch hier zusammengestellt. Sucht unbedingt weitere Informationen zu den Sorten, die ihr in eurem Garten oder auf dem Balkon anpflanzen möchtet. Mein Gärtnerwissen teile ich mit euch in vielen weiteren Blogbeiträgen auf meiner Seite.

Anzuchterde für Tomaten

Anzuchterde ist, wie ihr soeben gelernt habt, nährstoffarm. Das kommt den Tomaten gerade recht, die auf magerem Boden sehr gut gedeihen. Zum Wachsen braucht die Tomatenpflanze keine Nährstoffe aus der Erde, sondern nur Wasser, Licht und Wärme. Daher funktioniert die Anzucht optimal mit Kokoserde. Die Bodeneigenschaften müssen allerdings nach und nach verändert werden, da die Tomate eigentlich ein Starkzehrer ist. Ab dem Zeitpunkt, wo die Pflanze auf das eigentliche Beet gepflanzt wird, braucht sie ein humoses, nährstoffreiches Substrat.

Anzuchterde für Chilis

Auch Chilis sollten auf nährstoffarmer Erde ausgesät werden, um gesund in die Höhe zu sprießen. Für die Anzucht könnt ihr meine Anleitung für selbstgemachte Anzuchterde nutzen oder die Kokos-Quelltabletten verwenden. Tatsächlich stellen Chilis ähnliche Ansprüche wie die Tomate, daher eignet sich später auch hier Tomatenerde. Wichtig ist nur, dass die Chilipflanze keine Staunässe vertragen kann. Ab Mitte Mai kann das Pflänzchen bereits an einen sonnigen Fensterplatz, um im Anschluss dem Wetter im Freiland gewappnet zu sein.

Weitere interessante Fakten über Anzuchterde und passende Aussaattipps zu Paprika und Chilis könnt Ihr euch gern noch im folgenden Video ansehen:

Anzuchterde für Kräuter

Die Aussaat von Kräutern erfolgt zwischen März und Mai. Spezielle Anzuchterde ist bei Kräutern im Normalfall nicht nötig. Die Samen können mit etwas Abstand verteilt und mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden. Anschließend werden sie mit einer Sprühflasche befeuchtet und sollten überdeckt werden, um es möglichst warm zu haben. Natürlich muss trotzdem genug Licht an den Keimling gelangen. Bei den Ansprüchen der einzelnen Kräuterarten gibt es enorme Unterschiede. Anis, Salbei oder Rosmarin brauchen weniger Wasser und Nährstoff, wogegen Bärlauch, Dill oder Petersilie einen recht hohen Bedarf haben. Mischt eure Kräutererde nach den jeweiligen Bedürfnissen an. Bei Kräutern empfiehlt sich zudem Quarzsand anstelle des normalen Sandes.

Anzuchterde für Zimmerpflanzen

Zimmerpflanzen können uns den letzten Nerv rauben; man pflegt, gießt und behütet sie, doch am Ende gehen sie doch wieder ein. Fast jede Zimmerpflanze profitiert von sterilisierter Erde. Zum einen wollt ihr in eurer Wohnung kein unliebsames Unkraut anzüchten, zum anderen verhindert ihr so nervige Trauermücken und andere Schädlinge an euren Zimmerpflanzen. Die Anzuchterde für Zimmerpflanzen wird genauso hergestellt wie die für Garten- und Balkonpflanzen. Sie bietet eurem Bonsai oder euren Orchideen einen tollen Start für ein gesundes und kräftiges Wachstum. Nach der Anzucht könnt ihr handelsübliche Blumenerde verwenden, die jedoch keinen zu hohen Düngeanteil enthalten sollte. Dieser enthält oft keine ökologischen Inhaltsstoffe. Ich setze lieber auf Langzeitdünger wie Schafwolle oder Pferdemist.

Samenfeste Gemüsesamen nach ökologischer Anbaumethode bei Beetliebe

Beetliebe ist ein Unternehmen aus Leipzig, das ökologische Anbaumethoden und samenfestes Saatgut in guter Qualität bekannter machen möchte. Wir bieten eine Vielzahl an Gemüsesamen, Blumensamen und Anzuchtzubehör, das ihr euch im Beetliebe-Onlineshop genauer ansehen könnt. Wollt ihr wissen, was gerade in meinem Garten los ist? Dann schaut auf meinem Instagram-Account beetliebe_saatgut vorbei. Mir schmeckt das Gemüse aus meinem eigenen Garten immer besser, es ist ohne Chemie und steckt voller gesunder Nährstoffe.

Zusammenfassung

Der Umwelt zuliebe sollten wir bewusster mit der Natur umgehen und Nachhaltigkeit in unserem täglichen Leben umsetzen. Bei der Gartenarbeit helfen schon Kleinigkeiten, um unser Hobby nachhaltiger zu machen – und dabei dieselben oder sogar bessere Ergebnisse zu erzielen. Aus diesem Grund lohnt es sich, Anzuchterde selber zu machen. Indem wir uns bewusst gegen Torf entscheiden, verhindern wir, dass weitere Hochmoore vernichtet werden. Bei hausgemachter Aussaaterde weiß man genau, was drin ist. Sie ist ganz leicht hergestellt und supergünstig. Falls ihr das Selbermachen anderen überlassen wollt, gibt es gute ökologische Alternativen wie Kokos-Quelltabletten, Rindenhumus oder torffreie Anzuchterde aus dem Baumarkt.

Hinterlasse einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht