Schwerkraftbewässerung selbstgebaut

Pflanzen brauchen Wasser zum Wachsen. Ohne das feuchte Nass gedeihen sie schlecht, die Früchte schmecken mäßig und bleiben klein. Gerade Tomaten brauchen das Wasser in ihrer Hauptwachstumsphase wie kein anders Gemüse. Regelmäßiges Gießen ist für eine gute Ernte sehr wichtig. Aber geht ihr im Sommer jeden Tag im Garten? Wer gießt die Pflanzen, wenn ihr im Urlaub seid? Gut, wenn man Gartennachbarn hat, auf die man sich verlassen kann. Wer die aber nicht hat oder die netten Helfer auch mal nicht können, dann ist guter Rat teuer. Sicher, es gibt gute Lösungen die über einen kurzen Zeitraum helfen können. Wie einfach Wasserflaschen umgedreht in den Boden zu stecken oder das Bewässern mit Ollas. (Ihr wollt mehr über die Ollas wissen, dann lest mal hier.) Über eine längere Zeit ist das allerdings keine Alternative und eher für Hochbeete zu empfehlen. Je größer die Beete werden, desto schwieriger ist auch die Bewässerung. Ich habe gute Erfahrungen mit automatischen Bewässerungssystemen gemacht. Die Bewässerungszeiten und die Wassermengen lassen sich präzise einstellen und sie sind zuverlässig. In einer Ecke meines Gartens ließ sich aber weder ein Wasser- noch ein Stromanschluss sinnvoll anbauen ohne dass überall Schläuche und Kabel zu sehen waren. Da hilft nur eine Schwerkraftbewässerung.

So bin ich zur Schwerkraftbewässerung gekommen!

Tomatenhaus mit Schwerkraftbewässerung

Ich hatte in einem Artikel davon gelesen und war so begeistert, dass ich es selbst in meinem Garten bauen wollte. Ausgerechnet mein geliebtes Tomatenhaus steht an einem Platz im Garten, an dem ich keine automatische Bewässerung installieren kann. (Zum Bau eines Tomatenhauses, lest mal hier.) Deshalb war hier dir geeignete Stelle für die selbstgebaute Schwerkraftbewässerung. Ich habe diesmal keine Preise der Materialien für euch, da ich bis auf die Tropfer von Gardena (10 Stück für 8,29 €) schon alles in meinem Garten hatte. Deshalb diesmal nur eine Liste der Materialien.

Materialien

  • Wasserfass 120 Liter
  • Gartenschlauch ca. 8 m lang
  • IBC-Gartenschlauchanschluss 13 mm
  • 12 Endtropfer von Gardena
  • 2 Schlauchverbinder mit Wasserstopp
  • 12 Metallkrampen (aus einem Metallstab gebogen)
  • 12 Kabelbinder
  • Holz für ein Podest

Wasserdruck erzeugen durch Schwerkraft!

Damit die Schwerkraftbewässerung funktioniert, sollte das Wasserfass mindestens 40 cm über den Tropfern stehen. Besser sind 60 cm. Die Höhe reicht aus, um einen Wasserdruck von einem bis eineinhalb Bar zu erzeugen.

Für das Podest habe ich die Reste einer Holzpalette aufeinander geschraubt. Wenn das Fass voll ist, sollte es sicher auf dem Podest stehen können, deshalb macht es etwas breiter als den Durchmesser des Fasses. Am unteren Ende des Fasses wird ein Loch gebohrt. Messt bitte vorher den Durchmesser eures Anschusses, nicht das es zu groß wird. Hier wird jetzt der IBC-Gartenschlauchanschluss angeschraubt.

Ich habe den Anschluss im zweiten Jahr noch einmal ausgetauscht, da mein Fass im Winter umgefallen war und der Hahn dadurch abgebrochen ist.

Legt den Schlauch erst einmal auf den Boden, damit Ihr seht, wo die Löcher für die Tropfer hinmüssen. Dann wird mit einem 6-mm-Bohrer an der Stelle ein kleines Loch in den Schlauch gebohrt, an der die Tropfer gesetzt werden sollen. Der Endtropfer kann einfach mit ein bisschen Druck eingedreht werden bis der Schlauch komplett ansitzt. Presst den Schlauch hierzu mit den Fingern etwas platt, dann ist es leichter die Tropfer einzudrehen. Es gibt aber auch passendes Werkzeug vom Hersteller mit dem die Tropfer eingedreht werden können.

Einstellen der Tropfer

Meine Erfahrung mit der Schwerkraftbewässerung hat gezeigt, dass es besser ist, wenn die Tropfer an einem Metallgestell befestigt sind. So sind sie etwas höher über dem Boden. Ohne solch ein Gestell setzt sich leicht Erde an die Öffnungen und sie verstopfen. Das Wasser muss nicht direkt an den Stiel der Pflanze tropfen, ein Radius von 5 bis 7 cm ist ausreichend. Die Wurzeln der Pflanzen wachsen in die Richtung des Wassers. Auch der Boden wirkt wie ein Schwamm und verteilt das Wasser um die Tropfstelle herum. Sind die Tomatenpflanzen noch jung brauchen sie weniger Wasser reicht eine Tropfmenge von einem Tropfen alle 15 Sekunden aus. So Bildet die Pflanze stärkere Wurzeln aus, die auch tiefer in den Boden reichen. Die Pflanzen werden stärker und widerstandsfähiger. Um dem Boden zusätzlich vor Wasserverdunstung zu schützen, könnt ihr eine Schicht Rindenmulch in einer Scheide von 15 cm um die Pflanze herum auslegen.

Tomatenpflanze mit Tropfer

Wenn die ersten Tomaten an den Pflanzen zu sehen sind, kann der Tropfintervall auf einen Tropfen alle fünf Sekunden eingestellt werden. Die Pflanze bekommt so innerhalb von 24 Stunden ungefähr zwei Liter Wasser, was für Tomaten optimal ist. Gerade in der Anfangszeit solltet ihr den Intervall alle drei Tage kontrollieren, da sich die feinen Öffnungen der Tropfer durch Verschmutzungen im Schlauch oder aus dem Fass leicht zusetzen können. Ich setze einen Eimer in die Öffnung des Fasses, damit das Wasser sauber bleibt. Wenn Regenwasser zum Bewässern benutzt wird, ist das etwas schwieriger, da Regenwasser oft verunreinigter ist als Wasser aus der Leitung.

Tomatenhaus mit Jungpflanzen

Im Moment nutze ich die Schwerkraftbewässerung nur für mein Tomatenhaus. Im nächsten Jahr möchte ich das System aber auch in einem größeren Maßstab anwenden. Mit einem größeren Wasserbehälter und mehr Pflanzen, die versorgt werden sollen. Grundsätzlich stößt dieses System an seine Grenzen, wenn Pflanzen über eine große Fläche gegossen werden sollen, aber im Kleinen ist es eine gute Alternative zu herkömmlichen Bewässerungssystemen und eine kostensparende und nachhaltige noch dazu. Probiert es ruhig einmal aus.

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